Lozziwurm
Ab Ende der 1960er Jahre boten neue Materialien neue Möglichkeiten beim Entwurf von Spielgeräten. Kunstoff war billig, formbar, in knalligen Farben verfügbar, wetterfest und entsprach dem Zeitgeist.

Der Lozziwurm / scoubidou (1972) des Schweizer Malers und Plastikers Iwan Pestalozzi (geb. 1937) gehörte zu einer der beliebtesten Spielplastiken in Schweizer Pärken, Wohnsiedlungen und Spielplätzen. Die Plastik besteht aus mindestens 19 geraden und gekrümmten Polyester-Röhrenelementen, die mit Metallringen frei zu einem gewundenen Wurm zusammengefügt werden können. Durch runde Löcher gelangen die Kinder hinein und hinaus.
Hans Litz, der im Auftrag der Baufirma Ernst Göhner AG die Siedlung Benglen bei Fällanden ZH plante, regte den Künster Ivan Pestalozzi zum Entwurf eines Spielwurms an. Dank dem Zuschuss der Baufirma konnte Pestalozzi die Herstellung des ersten "Lozziwurms" in Auftrag geben. Dieser Prototyp wurde in der Überbauung Benglen aufgestellt. In der ebenfalls durch die E. Göhner AG gebaute Plattensiedlung Sonnhalde in Adlikon stand später ebenfalls ein Lozziwum.

1973 stellte die Galerie Beyeler (?) einen Lozziwurm vor die Rundhofhalle, wo die 4. Ausgabe der Kunstmesse ART stattfand. Von privater Seite gekauft, kam er wahrscheinlich im Basler Schützenmattpark zu stehen. Dieser Lozziwurm wurde 2011 entfernt, weil das Material brüchig war.

1975 war er Teil der 6. Plastikausstellung in Biel.
Bis heute wird der Lozziwurm auf Bestellung durch die Firma Knoepel Kunststoffe AG produziert.


Exkurs Göhner AG
Die Göhner AG erstellte zwischen 1965 und 1980 9'000 Wohnungen in den Agglomerationen Genf und Zürich in Fertigbauweise. Der forcierte Wohnungsbau der Göhner AG war 1972 Gegenstand einer Polemik zwischen wirtschaftsliberalen und Kapitalismus-kritischen Kreisen. In Volketswil bei Zürich, wo die erste Göhner-Siedlung "Göhnerswil" errichtet wurde, soll die Gemeindeautonomie und raumplanerische Vorgaben umgangen worden sein. Eine völlig isolierte Siedlung entstand, der die wichtigsten Gemeinschaftseinrichtungen wie Läden, Post und Spielplätze fehlten. Der Firma wurde kapitalistisches Gebahren vorgeworfen, während die Göhner AG vorgab, effizient die Wohnungsnot zu bekämpfen. Die Polemik war durch die Pubikation eines Kollektivs von Architekturstudenten der ETH Zürich angestossen worden. ("Göhnerswil" Wohnungsbau im Kapitalismus, Verlagsgenossenschaft, Zürich 1972).
1972 wurde Kurt Gloors (1942-1997, Schweizer Filmregisseur) neuer Dokumentarfilm "Die grünen Kinder" im Fernsehen ausgestrahlt, der ebenfalls in der Siedlung "Sonnebüel" alias Göhnerswil spielt. Dadurch wurde Göhnerswil landesweit bekannt. Der Film zeigt die Fantasielosigkeit von Architektur, Grünanlagen und Spielplätzen und deren negativen Auswirkungen auf die Psyche der Kinder.
Die Ernst Göhner AG startete danach eine mediale Offensive und bemühte sich ihr Image zu verbessern.
Offenbar ging es bei der Polemik um mehr als eine Plattensiedlung. Das Buch "Wohnungsbau im Kapitalismus" erhielt starken Beifall, weil es darum ging eine auch von Göhner unterstützte Bestrebung zur Deregulierung des Wohnungsbaus abzuwehren und die erfolgreichen genossenschaftlichen Wohnbauprogramme zu erhalten. (Furter, Schoeck, S. 206)

Furter, Fabian, and Patrick Schoeck. Göhner Wohnen: Wachstumseuphorie und Plattenbau. Baden: hier + jetzt, 2013.

erstellt am 12.5.2012
up date 12.6.2012, 1.5.2013

Siedlung Benglen ZH, 1972/3
"Ur"- Lozzi: Siedlung Benglen ZH, 1972/3

6. Schweizer Plastikausstellung
Lozziwurm, aus: 6. Schweizer Plastikausstellung

Lozziwurm, 1973
Iwan Pestalozzi: Lozziwurm, 1973

Foto: Heidy Ganter
Göhner-Siedlung Adlikon Sonnhalde: Foto: Heidy Ganter

2011 demontiert
Lozziwurm, Schützenmattpark, Basel: 2011 demontiert

Pittsburgh PA, installed 2013
Lozziwurm, Carnegie Museum of Art: Pittsburgh PA, installed 2013

Werner Zemp, 1973
Design: Werner Zemp, 1973


www.zemp-objets.ch/index_history 


Keraplay, 1974 


Spielelemente DDR, 1975 

Angelo Duarte
Freibad Tramelan, Design: Angelo Duarte

Frankreich 1973
Domobiles, Folanum, Leki, Gugu: Frankreich 1973