Spielplastik 70er Jahre
Ab Ende der 1960er Jahre boten neue Materialien neue Möglichkeiten beim Entwurf von Spielgeräten. Kunstoff war billig, formbar, in knalligen Farben verfügbar, wetterfest und entsprach dem Zeitgeist.

Der Lozziwurm / scoubidou (1972) des Schweizer Malers und Plastikers Iwan Pestalozzi (geb. 1937) gehörte zu einer der beliebtesten Spielplastiken in Schweizer Pärken, Wohnsiedlungen und Spielplätzen. Die Plastik besteht aus mindestens 19 geraden und gekrümmten Polyester-Röhrenelementen, die mit Metallringen frei zu einem gewundenen Wurm zusammengefügt werden können. Durch runde Löcher gelangen die Kinder hinein und hinaus.
Die Baufirma Ernst Göhner AG erwarb den ersten Lozziwurm, um ihn in der Überbauung Benglen aufzustellen.


Exkurs Göhner AG
Die Göhner AG erstellte zwischen 1965 und 1980 9'000 Wohnungen in den Agglomerationen Genf und Zürich in Fertigbauweise. (s. "Göhner wohnen"). Der forcierte Wohnungsbau der Göhner AG war 1972 Gegenstand einer Polemik zwischen wirtschaftsliberalen und Kapitalismus-kritischen Kreisen. In Volketswil bei Zürich, wo die erste Göhner-Siedlung "Göhnerswil" errichtet wurde, soll die Gemeindeautonomie und raumplanerische Vorgaben umgangen worden sein. Eine völlig isolierte Siedlung entstand, der die wichtigsten Gemeinschaftseinrichtungen wie Läden, Post und Spielplätze fehlten. Der Firma wurde kapitalistisches Gebahren vorgeworfen, während die Göhner AG vorgab, effizient die Wohnungsnot zu bekämpfen. Die Polemik war durch die Pubikation eines Kollektivs von Architekturstudenten der ETH Zürich angestossen worden. ("Göhnerswil" Wohnungsbau im Kapitalismus, Verlagsgenossenschaft, Zürich 1972).
1972 wurde Kurt Gloors (1942-1997, Schweizer Filmregisseur) neuer Dokumentarfilm "Die grünen Kinder" im Fernsehen ausgestrahlt, der ebenfalls in der Siedlung "Sonnebüel" alias Göhnerswil spielt. Dadurch wurde Göhnerswil landesweit bekannt. Der Film zeigt die Fantasielosigkeit von Architektur, Grünanlagen und Spielplätzen und deren negativen Auswirkungen auf die Psyche der Kinder.
Die Ernst Göhner AG startete danach eine mediale Offensive und bemühte sich, in später gebauten Siedlungen, ihr Image zu verbessern.

1973 stellte die Galerie Beyeler (?) einen Lozziwurm vor die Rundhofhalle, wo die 4. Ausgabe der Kunstmesse ART stattfand. Von privater Seite gekauft, kam er wahrscheinlich im Basler Schützenmattpark zu stehen. Dieser Lozziwurm wurde 2011 entfernt, weil das Material brüchig war.

erstellt am 12.5.2012
up date 12.6.2012, 1.5.2013

6. Schweizer Plastikausstellung
Lozziwurm, aus: 6. Schweizer Plastikausstellung

Lozziwurm, 1973
Iwan Pestalozzi: Lozziwurm, 1973

Archiv Implenia Bau AG
Göhner-Siedlung Adlikon Sonnhalde: Archiv Implenia Bau AG

2011 demontiert
Lozziwurm, Schützenmattpark, Basel: 2011 demontiert

Pittsburgh PA, installed 2013
Lozziwurm, Carnegie Museum of Art: Pittsburgh PA, installed 2013

Werner Zemp, 1973
Design: Werner Zemp, 1973


www.zemp-objets.ch/index_history 


Keraplay, 1974 


Spielelemente DDR, 1975 

Angelo Duarte
Freibad Tramelan, Design: Angelo Duarte

Frankreich 1973
Domobiles, Folanum, Leki, Gugu: Frankreich 1973